Netzwerk ActiveOncoKids zu Besuch bei den Waldpiraten in Heidelberg

Der alle zwei Jahre stattfindende Netzwerk-Workshop von ActiveOncoKids fand dieses Mal im Waldpiraten-Camp der Deutschen Kinderkrebsstiftung statt. Vom 8.-10. September 2016 kamen 27 Teilnehmer von insgesamt 15 Standorten in Deutschland (u.a. Akutkliniken, Rehabilitationseinrichtungen, Sportinstitute) nach Heidelberg und sogar aus der Schweiz reiste eine Teilnehmerin an. Das Teilnehmerfeld bestand hauptsächlich aus Sportwissenschaftlern und vereinzelt aus anderen Berufsgruppen (u.a. Arzt, Motopädagoge, Physiotherapeut, Psychologe).

Inhaltlich gliederte sich das Programm des Workshops in vier Bereiche. Zum Thema „Neues aus der Versorgung“ wurden in der ersten Session aktuelle Sportaktivitäten für Kinder und Jugendliche in der Akuttherapie und Nachsorge vorgestellt (Wassersport: Rudern/Surfen/Stand Up Paddeling, Skifreizeit, Vibrationstraining, Heidelberger Ballschule). Aktuelle Ergebnisse der begleitenden Forschung der Sportprogramme aus den Netzwerk-Kliniken bestimmten den Schwerpunkt der zweiten Session. Dritter Punkt war in einer weiteren Session die Perspektive des Netzwerks, in der zunächst der aktuelle Stand und die derzeitige Organisation dargestellt und darauf basierend die Zukunftsplanung diskutiert wurde. Einen stark praxisorientierten Aspekt behandelte die vierte Session. Diese befasste sich mit Strukturen im Sinne von u.a. Qualitätsmerkmalen der Sporttherapie, Finanzierungsmodellen und Mindeststandards für Ausstattungen und Personalqualifikation.

Zum ersten Mal wurde in das Programm des Netzwerkworkshops ein Journal Club integriert. In der 60-minütigen Einheit am Donnerstag und Freitag stellten die Teilnehmer aktuelle internationale Studien vor. Diese wurden anschließend im Plenum hinsichtlich methodischer und inhaltlicher Gesichtspunkte kritisch diskutiert.

Ergänzt wurde das Programm durch zwei Praxisworkshops. Es gab eine Führung durch das Waldpiraten-Camp mit Hintergrundinformationen zum Konzept und  die Vorstellung eines speziellen Heidelberger Kompetenztrainings für Kinder und Jugendliche.

Neben angeregten Diskussionen und dem wissenschaftlichen sowie versorgungsbezogenen Austausch spielten, wie auch bei den letzten Workshops, sportliche Aktivitäten ebenso eine Rolle. Das Waldpiraten-Camp bietet für Outdoor-Aktivitäten ideale Voraussetzungen und so wurden frühsportliche Mountainbike- und Jogging-Touren und eine Großgruppen-Sportaktivität angeboten. Auch „Probesitzen“ in einem Sitzskigerät und „Probefahrten“ in der Joëlette (eine Art Geländerollstuhl) konnten bei Interesse ermöglicht werden.

Die Abende klangen mit oder ohne vorherigen Zirkusbesuch oder Nachtwächterführungen am gemütlichen Lagerfeuer aus, in dessen Atmosphäre sich interessante Gespräche und musikalische Einlagen ergaben.

Von einer umfangreicheren Interdisziplinarität würde das Netzwerk vermutlich profitieren und wir möchten an dieser Stelle besonders die Kinderärzte, aber auch Physiotherapeuten, Psychologen und andere Berufsgruppen ermutigen am nächsten Workshop teilzunehmen, mitzudiskutieren und gemeinsam auf das Hauptziel des Netzwerks hinzuarbeiten: die Optimierung der Versorgungssituation von Bewegungsförderung in der Kinderonkologie. Jedem Kind und jedem Jugendlichen, sollte während und nach der Therapie der Zugang zu Bewegung und Sport unabhängig von Alter, Wohnort und möglichem Handicap ermöglicht werden.

Wir danken dem Waldpiraten-Camp Heidelberg, dass wir unseren Workshop in solch schöner Umgebung abhalten durften und den lokalen Organisatoren vom NCT Heidelberg (Simon Feißt und Dr. Joachim Wiskemann) für die Vorbereitungen und die erfolgreiche Zusammenarbeit.

Der nächste Workshop des Netzwerks ActiveOncoKids wird voraussichtlich im Herbst 2018 von Münster aus organisiert werden und möglicherweise wieder im Waldpiraten-Camp Heidelberg stattfinden. Informationen hierzu werden rechtzeitig über den Newsletter verteilt.

Dr. Miriam Götte & Dr. Sabine Kesting
Netzwerksprecherinnen

ActiveOncoKids: Junge Patienten rudern gegen Krebs

Auch dieses Jahr hat sich das ActiveOncoKids-Netzwerk im wahrsten Sinne des Wortes wieder in die Riemen gelegt, um „gegen Krebs zu rudern“.

Was vor fünf Jahren mit einem Kinderpatientenrennen auf dem Mainzer Rhein begann, hat sich mittlerweile als ActiveOncoKids-Rudern in Deutschland weiterverbreitet und stößt auch bei anderen Kinderkliniken auf positive Resonanz. Im Juni 2015 haben erstmals ehemalige Patienten von drei kinderonkologischen Zentren aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gemeinsam an der Benefizregatta Rudern-gegen-Krebs im ersten ActiveOncoKids-Rennen in Mainz mitgerudert. Im Juni 2016 hat die zweite Auflage des ActiveOncoKids-Rennens, eingebettet in die 3. Rudern-gegen-Krebs-Regatta in Ulm, stattgefunden. Neben den über 500 erwachsenen Teilnehmern, haben sich auch ehemalige jugendliche Patienten aus Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz in sechs Vierer-Booten in die Ruder gelegt.

 

Die jungen Patienten haben sich in ihren jeweiligen Heimatorten auf die Regatta vorbereitet, um dort bei mehrwöchigem Training das Rudern zu lernen. Am besten hat den Kids beim Training und der Regatta gefallen, dass sie gemeinsam mit ihren Freunden, Geschwistern und ihrer Familie rudern durften.

Sogar neue Freundschaften mit jugendlichen Vereinsruderern, die den Kids das Rudern beigebracht haben, sind entstanden. So stärkt das Rudertraining nach der strapazierenden, onkologischen Therapie nicht nur die Gesundheit durch Sport, sondern zugleich wird gemeinsame Zeit mit Freunden und der Familie nachgeholt, die während der langwierigen Therapie versäumt wurde. Neben der sportlichen Betätigung beim ActiveOncoKids-Rudern trägt das „ActiveOncoKids“-Netzwerk so dazu bei, dass sich junge Patienten aus verschiedenen Regionen kennenlernen, interaktiv Erfahrungen austauschen und – in Verbundenheit mit der Krankheit und dem Rudersport – Freundschaften knüpfen.

Die Motivation und Vorfreude für eine nächste Auflage des ActiveOncoKids-Rennens in 2017 ist sehr groß. Alle kinderonkologischen Zentren in Deutschland, die gerne mitmachen möchten, sind herzlich eingeladen und werden von uns gerne bei der Organisation unterstützt.